Interview mit BVB- und FCN-Legende Franz Brungs

Foto: glubberer.de    Eines der fünf Tore von Franz Brungs gegen Sepp Maier beim legendären 7:3-Sieg des 1. FC Nürnberg gegen Bayern München.

Interview zum 85. von Franz Brungs

Thomas Wedel hat es sich nicht nehmen lassen seinem guten alten Bekannten Franz Brungs zu dessen 85. Geburtstag am 4. Dezember persönlich zu gratulieren und ihm ein kleines Geschenk zu überreichen.
Bei dieser Gelegenheit hat ihm Franz ein sehr interessantes 90-minütiges Interview gegeben und dabei wirklich aus dem Nähkästchen geplaudert.
Franz Brungs ist eine Club-Legende ! In der Meistersaison 1967/68 hat er beim 7:3-Sieg gegen Bayern München (mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Bulle Roth und Gerd Müller) sensationelle 5 Tore geschossen.

Vierter in der Torschützenliste des Europapokals der Landesmeister 1964

Er war außerdem als dreifacher Torschütze auch noch der Held bei einem zweiten Jahrhundertspiel nämlich dem 5:0-Sieg von Borussia Dortmund im Europapokal der Landesmeister 1963/64 gegen die damals beste Mannschaft der Welt Benfica Lissabon mit Eusebio. In dieser Saison belegte er dann auch den 4. Platz in der Torschützenliste des Europapokals der Landesmeister mit 6 Toren in 6 Spielen knapp hinter Weltstars wie Puskas und Mazzola (beide 7) und sogar vor di Stefano und Eusebio.




T: Hallo Franz, ich hoffe es geht dir gesundheitlich einigermaßen gut.
F: Ich hab natürlich schon einige kleine Wehwehchen aber im Großen und Ganzen gehts mir gut.

T: Welches von deinen beiden Highlight-Spielen 7:3 mit dem Club oder 5:0 mit Dortmund hat für dich den höheren Stellenwert?
F: Da stufe ich dann schon das 7:3 mit meinen 5 Toren noch etwas höher ein als das 5:0.

T: Welche großen Erfolge hattest du sonst noch in deiner Karriere?
F: DFB-Pokalsiege mit Borussia Mönchengladbach 1960 und mit Borussia Dortmund 1965.

T: Welcher hat da für dich die größere Bedeutung?
F: Der Pokalsieg mit Gladbach ! Mein Freund der spätere Italien-Profi und Vize-Weltmeister 1966 Albert Brülls hatte mich zum Wechsel vom 1.FC Köln nach Gladbach überredet, im Pokal-Halbfinale gegen den amtierenden deutschen Meister HSV mit Uwe Seeler haben Albert und ich die beiden Tore zum 2:0-Sieg geschossen und da hab ich dann ja auch im Pokalfinale gespielt, im DFB-Pokalfinale 1965 dagegen leider nicht


T: Was war da der Hintergrund?
F: Der Dortmunder Trainer (und frühere Schalker Meisterstürmer) Hermann Eppenhoff hat mich, weil die Vertragsverlängerungs-Verhandlungen mit der Borussia ins Stocken geraten waren da ich auch mit dem Club (Fred Böhm) verhandelte, beim Pokalfinale 1965 nicht aufgestellt, obwohl ich in der Bundesliga sonst immer spielte. Auch beim Pokal-Halbfinalsieg gegen den Club hatte ich noch ein Tor vorbereitet. Ich war dann über die Nichtberücksichtigung im Pokalfinale so enttäuscht dass mir die Entscheidung doch nicht zu verlängern sondern zum Club zu wechseln viel leichter gefallen ist. Anmerkung dazu von T: Wäre Franz von Eppenhoff aufgestellt worden hätte es den größten Triumph der Club-Vereinsgeschichte nämlich das 7:3 + die anschließende 9. Meisterschaft wahrscheinlich gar nicht gegeben! Besten Dank Hermann Eppenhoff !


T: Unmittelbar nach der Meisterschaft mit dem Club 1968 bist du für alle überraschend zu Hertha BSC Berlin gewechselt. Wie kam es dazu?
F: Ich war im Juni 68 mit meinem Kumpel aus der Meistermannschaft Heinz Müller, der auch noch mir gegenüber in Oberasbach/Altenberg gewohnt hat, im Zirndorfer Freibad und wir hörten im Radio die Reportage vom Aufstiegsspiel zur Bundesliga Hertha BSC gegen Alsenborn vor 80.000 Zuschauern. Ich sagte aus Quatsch zu Hanni: Bei so einer tollen Kulisse müssten wir jetzt auch mit dabei sein. Als ich dann nach Hause kam sagte mir meine Frau dass ein Herr Holst aus Berlin angerufen habe. Der rief dann kurze Zeit später nochmal an und hat gesagt dass die Hertha nach ihrem Aufstieg sehr an mir interessiert sei und dass ich mal bei Bratwurst-Friedel anrufen und Max Merkel verlangen soll. Ich hatte schon gewusst dass Max Merkel im Obergeschoß des Bratwurst-Friedel-Hauses wohnte. Max sagte mir dann dass ich ruhig nach Berlin gehen und das gute Geld mitnehmen könne da er sowieso nicht mehr mit mir plane und lieber auf junge Leute wie Dieter Nüssing und Erich Beer setzen wolle. Anmerkung dazu von T: Nach der Schilderung von Franz war Max Merkel offenbar von Holst von Anfang an sehr stark in den Transfer einbezogen worden und das wird wohl für Merkel auch bestimmt von Vorteil gewesen sein. Man munkelt sogar dass Merkel zu den Club-Verantwortlichen gesagt hat dass wenn sie Franz die Freigabe nicht erteilen sie sich einen neuen Trainer suchen müssen.

T: Wäre der Club 1969 auch abgestiegen wenn du in dieser Saison noch da gewesen wärst?
F: Ich denke nicht, die fehlenden Tore hätte ich wahrscheinlich schon geschossen

T: Borussia Dortmund hat anscheinend seinen Torjäger der 60er-Jahre nicht vergessen !
F: Nein, die Spieler vom Jahrhundertspiel 1963 gegen Benfica wurden 2017 anlässlich des Champions League-Spiels der Borussia gegen Benfica Lissabon ins Stadion eingeladen. Als da dann 80.000 meine Namen gerufen haben lief es mir schon eiskalt den Rücken runter. Eusebio war da auch mit dabei, kurz danach ist er aber leider gestorben.
Und jetzt zu meinem 85. Geburtstag hat mir die Borussia gratuliert und mich zu dem genau an diesem Tag stattfindenden Bundesliga-Spitzenspiel Dortmund gegen Bayern München eingeladen. Ich konnte aber nicht hinfahren da meine beiden Söhne mit ihren Familien (von jedem Sohn habe ich ein Enkelkind) eine Feier zu meinem 85. organisiert haben.
Was nur wenige wissen:Ich war ja auch beim allerersten Bundesliga-Tor 1963 maßgeblich beteiligt. Es gab davon keine Bilder, weder Fernsehaufnahmen noch Fotos. Ich habe damals den Ball nach links zu Lothar Emmerich gespielt und der legte dann für Timo Konietzka auf.

T: Wer waren zu deiner Zeit in den 60er-Jahren deiner Meinung nach die besten Fußballer der Welt?
F: Masopust, Eusebio, Mazzola, Beckenbauer und Uwe Seeler

T: Wie schätzt du die aktuelle Situation beim Club ein?
F: Der Club ist mit meinem früheren Torjäger bei Hessen Kassel Dieter Hecking und Trainer Klauß auf dem richtigen Weg. Man merkt dass sich was entwickelt, spätestens in 2-3 Jahren könnte ein Aufstieg wieder mal klappen, vielleicht ja sogar noch in dieser Saison über die Relegation.


T: Ich bin ja auch Frauenfußball-Fan und schreibe außer für absatzkick auch noch für den neuen Kicker des Frauenfußballs FIDO. Wie ist deine Meinung zum Frauenfußball?
F: Ich schau mir schon seit vielen Jahren öfters Frauen-Spiele im Fernsehen an. Ich war großer Birgit Prinz- und Marta-Fan und auch viele von den heutigen guten Spielerinnen sind mir bekannt, z.B. Melanie Leupolz von Chelsea.

T: Franz, besten Dank für das sehr interessante Interview und dir weiterhin alles Gute vor allem natürlich Gesundheit.



Abschließend ist noch am Rande erwähnenswert, dass wenn man bei google Franz Brungs eingibt unglaublicherweise sofort ein Foto von Franz mit Thomas Wedel erscheint

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