Frauen in der Männerdomäne Fußball 2

Foto: Archiv Valentina Maceri im Bild mit Thomas Wedel

Frauen in der Männerdomäne Fußball (Teil 2)

Im 1.Teil ging es insbesondere um Schiedsrichterinnen im Männerbereich wie die häufig kritisierte Bibiana Steinhaus, um eine der wenigen Frauen in einer Fußball-Führungsposition: die Chelsea-Sportdirektorin Marina Granovskaia und um Kommentatorinnen von Männerspielen im Fernsehen wie die von vielen Männern verbal gravierend angegangene Claudia Neumann.

beschimpfen, beleidigen, bedrohen ?

Hier einige Passagen aus Claudia Neumanns Buch mit dem bezeichnenden Titel: Hat die überhaupt ne Erlaubnis sich außerhalb der Küche aufzuhalten?: "Ich finde diese Netz-Auswüchse furchtbar, kann gar nicht genug Verachtung für dieses gesellschaftliche Phänomen ausdrücken. Kritisieren, sachlich - gerne.

Aber beschimpfen, beleidigen, bedrohen aus einem antiquierten männlichen Selbstbild heraus? Nein, das geht gar nicht. Ich empfehle den Netz-Trollen doch einfach länger zur Schule zu gehen. Bildung halte ich für den Schlüssel zur Vermeidung gesellschaftlicher Negativauswüchse. Meine Erfahrung belegt, dass das Leben demokratischer Werte tatsächlich vom geistigen Horizont der Menschen gesteuert wird. "

Weiterhin spricht sie z.B. auch noch vom Umgang mit der anonymen Bande der Verbal-Kriminellen.

TEIL 2

Im 2.Teil geht es jetzt in erster Linie um die Fußball-Moderatorinnen. Die Nürnberger Sportmoderatorin Valentina Maceri ist einem größeren Publikum insbesondere bekannt geworden als Co-Moderatorin des Sport 1-Champions League-Fantalks mit Thomas Helmer, Mario Basler, Peter Neururer usw. und sie ist jetzt fest bei Bild, wo sie u.a. eine wöchentliche Premier League-Show mit dem Titel Englische Woche moderiert oder z.B. kürzlich die Spiele von Bayern München bei der FIFA-Klub-WM.  

In ihrem Bild-Interview mit Radio-Legende Sabine Töpperwien hatte sie schon erwähnt, dass nach ihren ersten Sendungen ihr Postfach auf Instagram explodiert ist mit Hasskommentaren und schweinischen Anmachen. Hier nun noch einige weitere Aussagen von Valentina:

 Generell braucht man als Frau in diesem Business ein dickes Fell. Man darf gewisse Dinge nicht zu nah an sich ranlassen und persönlich nehmen. Das ist einfacher gesagt als getan. Aber mit der Zeit lernt man das. Ich glaube, dass Frauen wie Sabine Töpperwien uns den Weg geebnet haben. Wir müssen diesen jetzt konsequent weiterverfolgen, damit wir vielleicht in einigen Jahren nicht mehr darüber reden müssen, weil es keine Rolle mehr spielt ob der Kommentator männlich oder weiblich ist, sondern nur die Leistung ausschlaggebend sein wird. Noch sehen die meisten Männer im Fußballjournalismus uns Frauen als Fremdkörper. In Fußball-Talkrunden sehe ich noch viel zu wenig Frauen sitzen.

 

Als erste Frau überhaupt moderierte Carmen Thomas im Februar 1973 im deutschen Fernsehen eine Sportsendung und dann gleich das aktuelle Sportstudio im ZDF. Im Juli 1973 erfolgte dann ihr berühmter Versprecher Schalke 05 der natürlich die Kritik noch verstärkte.

Eine Sportmoderatorin die sich zwischenzeitlich gut etabliert hat ist z.B. Katrin Müller-Hohenstein die seit 15 Jahren beim ZDF das aktuelle Sportstudio moderiert und bei Olympiaden, Weltmeisterschaften und Länderspielen in vorderster Front aktiv ist. Dazu Valentina:

 

Fehler passieren. Das ist menschlich. Das muss auch nicht immer unbedingt bedeuten, dass ein/-e Journalist/-in inkompetent ist. Umfangreiche Sendungen erfordern sehr viel Vorbereitung und bei all dieser Informationsflut kann es durchaus vorkommen, dass man sich mal verspricht oder Namen verwechselt. Keine Frage – es sollte nicht passieren. Aber es kann vorkommen. Auch der beste Fußballer der Welt spielt mal einen Fehlpass oder vergibt eine klare Torchance. Und das passiert auch Männern. Bei Frauen regen sich einfach nur mehr Menschen darüber auf, weil Frauen und Fußball für viele Zuschauer noch immer nicht zusammenpassen. Mir fällt da aber nicht nur Katrin Müller-Hohenstein ein. Ich persönlich bin ein großer Fan von Esther Sedlaczek bei Sky. Sie macht das hervorragend und war immer eines meiner Vorbilder in Deutschland. Es gibt etliche Frauen, die mittlerweile etabliert sind, z.B. auch noch meine sowohl menschlich als auch fachlich absolut hoch geschätzte Sport 1-Kollegin Laura Papendick. Das sind allerdings leider insgesamt eher die Ausnahmen und nicht die Regel.

Foto: Sky

Das liegt aber nicht nur an den Männern, sondern oftmals leider auch an der Zurückhaltung oder Angst der Frauen. Wir brauchen mehr Frauen wie Sabine Töpperwien, die auch mal gegen den Strom schwimmen, wenn es sein muss. Und wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Nicht auf Grund der Frauenquote – sondern weil ich glaube, dass es viele Frauen gibt, die sehr gut in ihrem Job sind, aber sich nicht trauen, dafür einzustehen. Und das Business ist ein Haifischbecken, da bekommst du nichts geschenkt.

Foto: Sky

    Abschließend noch einige Sätze über die wenigen Frauen die es geschafft haben erfolgreiche Trainerinnen von Männerteams  zu werden:
    Yuen-Ting Chan war 2016 die erste Frau die als Trainerin einer Männermannschaft Landesmeister wurde und zwar in Hongkong mit dem Eastern SC. In der asiatischen Männer-Champions League traf sie dann 2017 sogar auf den brasilianischen Weltmeister-Trainer von 2002 Luiz Felipe Scolari der den chinesischen Vertreter Guangzhou trainierte.
     
    Corinne Diacre (frühere Kapitänin der französischen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft) wurde 2014 von dem französischen Männer-Zweitligisten Clermont Foot als Cheftrainerin verpflichtet. Sie war da drei Jahre lang sehr erfolgreich tätig. 2015 wurde sie sogar von France Football als "bester Zweitliga-Trainer" des Jahres ausgezeichnet. 2017 übernahm sie dann die französische Frauen-Nationalmannschaft als Cheftrainerin.
     
    In Deutschland haben es Frauen als Trainerinnen von Männermannschaften bisher nur in die Regionalliga (= 4.Liga) geschafft.
     
    Imke Wübbenhorst (als Spielerin 2 x U 19-Europameisterin sowie 116 Frauen-Bundesliga-Spiele) war erst Trainerin beim Männer-Oberligisten Cloppenburg. Dort ist sie berühmt geworden durch den Spruch: Ich stelle nach Schwanzlänge auf.  2020 hat sie dann die Regionalligamänner der Sportfreunde Lotte trainiert.
     
    Die zweifache Europameisterin und mehrfache Bundesliga-Torschützenkönigin Inka Grings trainierte die Regionalliga-Männer des SV Straelen und stieg mit denen erst ab und dann wieder auf.

Share

TPL_BEEZ5_ADDITIONAL_INFORMATION