Frauen in der Männerdomäne Fußball

Foto: RTL.de   SR`in Bibiana Steinhaus zeigt dem Spieler Demirbay den vorzeitigen Weg vom Spielfeld in die Kabine.

Haben die Frauen IHREN Platz gefunden?

Auf die Idee zu diesem Beitrag hat mich ein kürzlich veröffentlichtes Interview gebracht das die Bild-Sportmoderatorin Valentina Maceri (früher selber Champions League-Spielerin und bekannt geworden u.a. als Co-Moderatorin neben Thomas Helmer beim Sport 1-Champions League-Fantalk) mit der jetzt in Rente gehenden Radio-Kommentatorinnen-Legende Sabine Töpperwien geführt hat. Die beiden interessantesten Aussagen von Sabine Töpperwien waren dabei, dass in den 90er-Jahren Otto Rehhagel und Christoph Daum ihr ein Interview verweigert haben nur weil sie eine Frau war und dass sie der Auffassung ist, dass auch jetzt die Männer noch immer die Sportjournalistinnen als Fremdkörper im Fußballgeschäft sehen.

Schwieriges Terrain für Frauen

Valentina Maceri hat im Rahmen dieses Interviews sogar erwähnt, dass nach ihren ersten Sendungen anschließend ihr Postfach auf Instagram explodiert ist mit Hasskommentaren und schweinischen Anmachen. 

Das Foto mit ihr stammt von meinem Benefiz-Fußball-Quiz im Jahr 2020 in Zirndorf an dem Valentina, die in Nürnberg geboren ist und deren Vater ein Ristorante in Nürnberg-Johannis betreibt, teilgenommen hat.
 
Vorab noch ein kleiner Rückblick auf die 50er- und 60er-Jahre: Der DFB hat den Frauenfußball im Jahr 1955 explizit verboten und dieses Verbot erst 1970 aufgehoben.

Sehr interessant auch was Weltstars dieser Zeit zum Frauenfußball sagten:
Max Morlock: Ich empfehle den Frauen Schwimmen, Leichtathletik, Turnen und Skilaufen. Das sind eher frauliche sportliche Betätigungen als Fußball.
Gerd Müller: Meiner Frau würde ich nicht erlauben Fußball zu spielen.
 
Und leider ist ja auch heute der Frauenfußball bei vielen Männern immer noch nicht anerkannt.
 
1. Schiedsrichterinnen im Männerbereich:
 
Bibiana Steinhaus war in der 2.Bundesliga am Ende der Saison 2015/2016 nach einem (später bekannt gewordenen) internen Ranking des DFB schon die Nummer 1 unter den deutschen Zweitliga-Referees. Der DFB ließ da aber vier Schiedsrichter in die 1.Bundesliga aufsteigen die im Ranking hinter ihr lagen. Erst in der Saison 2017/2018 durfte sie dann nach 10 Jahren 2.Liga ihr erstes Spiel in der 1.Bundesliga leiten. (bei den männlichen Schiris erfolgt dieser Sprung normalerweise deutlich schneller). Ab da gab es dann natürlich immer wieder Aufschreie der männlichen Fußballfans: Wie könnt ihr eine Frau in der 1.Liga pfeifen lassen?
Der jetzige Bayer Leverkusen-Stammspieler Kerem Demirbay hatte 2015 als er noch in der 2.Liga für Düsseldorf aktiv war, nachdem er von Bibiana die gelb-rote Karte erhalten hatte zu ihr gesagt: Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen. Sie schrieb darüber einen Bericht und er wurde für diese frauenfeindliche Aussage 5 Spiele gesperrt und er musste als Strafe vom Verein ein Mädchen-Fußballspiel leiten.
Auch nachdem sie ihre Schiedsrichter-Karriere kürzlich beendet hat und nur noch als Videoassistentin in der Bundesliga tätig ist steht sie auch hier häufig in der Kritik. (ganz speziell bei den Club-Anhängern)
 
Die französische Spitzenschiedsrichterin Stephanie Frappart hat es kürzlich aber sogar geschafft als erste Frau ein UEFA-Männer-Finale zu leiten, nämlich den UEFA-Supercup Liverpool gegen Chelsea. Jürgen Klopp war danach von ihrer Leistung hellauf begeistert.
Im Dezember 2020 durfte sie auch als erste Frau ein Männer-Champions League-Spiel pfeifen: Juventus Turin gegen Kiew.
 
Jetzt noch ein Fall aus unserer Region der vor einigen Jahren für viel Aufsehen gesorgt hat:
Beim Herren-Landesliga-Spiel Erlangen-Bruck gegen Kornburg war Annette Hanf aus Stein, die ansonsten 2.Frauen-Bundesliga pfeifft, Schiedrichterin und wurde vom Kornburger Trainer Herbert Heidenreich (Ex-Profi bei Mönchengladbach und Club) verbal hart angegangen: Sie sollte besser in der Küche hinter dem Herd bleiben oder zum Breakdance gehen. Auch der Sportjournalist Dieter Rebel ließ sich anschließend zu facebook-Äußerungen hinreißen wie: Es wird immer schlimmer, jetzt pfeifen die Weiber bereits in der Herren-Landesliga, grauenvoll!

Beide wurden später von den Sportgerichten zurecht mit Geldstrafen belegt.

Auch die Radio-Legende Sabine Töpperwien hat in dem Interview mit Valentina übrigens berichtet, dass nach ihrem ersten Bundesligaspiel im Jahr 1989 viele Männer an den NDR geschrieben haben: Wie könnt ihr uns das zumuten, schickt sie nach Hause an den Herd.
 
 
2.Kommentatorinnen von Männerspielen im Fernsehen:
 
Claudia Neumann war 2016 die erste Frau die Spiele bei einer Männer-EM live kommentierte. Über sie übergoss sich da ein Shitstorm obwohl sie zwei Partien der EM kompetent begleitet hatte. Sie war auch die erste Frau die Spiele bei einer WM (2018) und ein Champions League-Männerspiel kommentiert hat. (2018 Real-Paris) Auch da musste sie viel Kritik einstecken.


Foto: taz    Kürzlich hat Claudia Neumann ein Buch herausgebracht mit dem bezeichnenden Titel "Hat die überhaupt ne Erlaubnis sich außerhalb der Küche aufzuhalten?"
 
Stephanie Baczyk war 2019 die erste Kommentatorin von Männer-Bundesligaspielen in der ARD-Sportschau.    
 
Bei Radio-Kommentatorinnen ist die Sachlage jetzt schon etwas entspannter als in den 90ern, wozu Sabine Topperwien durch ihre jahrzehntelangen guten Auftritte erheblich beigetragen hat.
Julia Metzner vom SWR darf jetzt sogar das  EM-Finale 2021 kommentieren.
 
 
3. Fußball-Moderatorinnen:
 
Dazu wird Sportmoderatorin Valentina Maceri (die jetzt bei bild.de u.a. eine wöchentliche Premier League-Show mit dem Titel: Englische Woche moderiert) in Kürze aus dem Nähkästchen plaudern und zwar in einem Teil 2 der von Valentina und mir zusammen verfasst wird.
Hierzu vorab erstmal nur einige Namen auf die wir eingehen werden: Carmen Thomas (Schalke 05), Katrin Müller-Hohenstein und die beiden Lauras: Wontorra und Papendick.
 
 
4. Frauen in Führungspositionen
 
Laut einer aktuellen Studie besetzen Frauen nur 3,7% der Führungspositionen im europäischen Fussball.
 
Damit nahezu übereinstimmend: in der Bundesliga sind 4% der Posten in Aufsichtsräten mit Frauen besetzt.
 
In vorderster Front gibt es nur ganz wenige Frauen.
 
Da ist in erster Linie zu nennen die Sportdirektorin des FC Chelsea Marina Granovskaia, die als mächtigste Frau im Weltfußball gilt. Sie ist seit vielen Jahren die engste Vertraute von Roman Abramowitsch und auch Vorstandsmitglied und da auch für Spieler-Transfers zuständig.
Sie beschaffte auch den 15-Jahre-Sponsoren-Deal mit Nike der Chelsea 66 Millionen Euro pro Saison bringt bis zum Jahr 2032.
 
Danach ist noch Sandra Schwedler anzuführen, die seit Dezember 2014 die erste Aufsichtsrats-Chefin im deutschen Profifussball ist und die im Dezember 2020 beim FC St.Pauli auch in ihrem Amt bestätigt wurde.
 
Außerdem gibt es noch drei mächtige Frauen bei FIFA und UEFA:
 
Fatma Samoura, seit 2016 erste weibliche Generalsekretärin der FIFA
Lydia Nsekera, wurde 2013 erste Frau im FIFA-Exekutivkomitee
sowie Florence Hardouin, ehemalige Fechtweltmeisterin und seit 2016 erste weibliche Führungskraft bei der UEFA (Exekutivkomitee)  
 

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