Manni Ritschel plauderte aus dem Nähkästchen

Foto: Thomas Wedel   Der Ex-Profi Manni Ritschel im Gespräch mit Thomas Wedel. Auch er unterschrieb auf dem Aytekin-Trikot!

Manni Ritschel plauderte im Gespräch mit Thomas Wedel aus dem Nähkästchen

Aus der Jugend des SV Unterreichenbach sind etliche Top-Fußballer hervorgegangen. Thomas Wedel startet hier eine 3-teilige Serie mit Ex-Nationalspieler Manfred Ritschel (Teil 1).
(In Teil 2 wird es dann um Christian Eigler gehen, einen der wenigen Fußballer die es geschafft haben in einem Spiel der 1. Bundesliga 4 Tore zu erzielen und in Teil 3 um den zweifachen deutschen Meister und DFB-Pokalsieger Roland Wabra und seine Söhne)

Teil 1: Manni Ritschel
 
Manfred genannt Manni Ritschel (Jahrgang 1946) spielte nach seiner Jugendzeit beim SV Unterreichenbach und auch etlichen Spielen in der 1.Mannschaft des SV Unterreichenbach in der Saison 1966/67 in der Landesliga Mitte beim FC Stein (sein "Handgeld" war damals eine Küche), dann in der Saison 67/68 beim ESV Ingolstadt und anschließend zwei Jahre bei Jahn Regensburg.

1970 wurde er von Borussia Dortmund verpflichtet und 1972 ging er zu Kickers Offenbach, wo er seinen größten Erfolge feierte wie z.B. einen 6:0-Sieg 1974 (mit Trainer Otto Rehhagel und Mitspielern wie Erwin Kostedde und Siggi Held) in der Bundesliga gegen Bayern München mit den amtierenden Weltmeistern und Europapokalsiegern der Landesmeister Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Breitner, Hoeneß, Müller sowie drei Länderspielen 1975 u.a. zusammen mit Maier, Vogts, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Breitner, Bonhof, Netzer und Hoeneß.
 
Was Manni mir in einem zweistündigen Gespräch alles an interessanten Details aus seiner Karriere mitgeteilt hat fällt eindeutig in die Rubrik; aus dem Nähkästchen geplaudert:
 
Kurz vor seinem 1.Länderspiel vor 100.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion gegen England hatte er erhebliche Nierenprobleme so dass sein Zimmerkollege Erwin Kostedde schon sagte, dass er das aber jetzt dem Helmut Schön sagen müsse. Manni erwiderte: Nein dann lässt der mich doch in Wembley nicht spielen.

In seinem 2. Länderspiel, einem wichtigen EM-Quali-Spiel in Bulgarien, verwandelte er den Elfer zum 1:1-Endstand. Auf meine Frage, warum nicht die arrivierten Elferschützen Breitner (kurz zuvor im WM-Finale 74 per Elfer erfolgreich) oder Netzer geschossen haben, antwortete er, dass beide als von Helmut Schön zunächst vorgesehene Schützen gekniffen hätten.
 
Wohl kaum jemand weiß z.B. auch dass Manni 1968 schon einen Vertrag bei Bayern München unterschrieben hatte, diesen aber dann wieder auflöste, weil ihm Jahn Regensburg das doppelte Handgeld geboten hat. Bayern- und Beckenbauer-Manager Robert Schwan war damals ziemlich sauer.
 
Weitere Super-Details zur Frage warum Ritschel kein weiteres Länderspiel mehr machte obwohl ihm in allen drei Länderspielen von der Presse und auch von Helmut Schön gute Leistungen bescheinigt worden waren: 

Im Bundesliga-Derby am 6.9.75 Offenbach-Eintracht Frankfurt kam er in der 5. Minute "etwas zu spät" und foulte Weltmeister Jürgen Grabowski.  Schiri Walter Eschweiler gab rot obwohl das Foul höchstens gelbwürdig war. Kickers-Geschäftsführer Konrad sagte dazu: Unverschämtheit, will uns Eschweiler aus der Bundesliga pfeifen? Eschweiler konnte in der Halbzeit nur durch ein Polizeispalier den Platz verlassen. Nach dem Spiel hat auch noch der beim DFB schon vorbelastete Offenbacher Trainer Otto Rehhagel Eschweiler beschuldigt bestochen gewesen zu sein. Danach war dann Mannis Länderspiel-Karriere beendet.

Der DFB hatte damals ziemlich verknöcherte Strukturen wie auch noch zwei andere Fälle aus dieser Zeit zeigen:

Erwin Kremers hat im letzten Bundesliga-Punktspiel vor der WM 74 den Schiri beleidigt, erhielt dafür die rote Karte und wurde daraufhin als Stammspieler vom DFB aus dem WM-Kader gestrichen.
Weiterhin wurden bei der WM 74 die Spielerfrauen vom Bankett nach dem Finalsieg ausgeschlossen. DFB-Delegationsleiter Deckert damals: "Bei uns herrscht Zucht und Ordnung"
 
Nach seinen vier Jahren in Offenbach spielte Manfred dann ab 1976 ein Jahr beim 1.FC Kaiserslautern und nach einer guten Saison 77/78 als Stammspieler bei Schalke 04 neben Größen wie Fischer, Rüssmann, Abramczik und den Kremers-Zwillingen wurde er dann vom neuen Präsidenten Günter Siebert, der die älteren Spieler die sein Vorgänger geholt hatte (u.a. auch Vizeweltmeister Wim Suurbier) nicht mehr dort haben wollte, aussortiert.
 
Auf seine alten Tage spielte er dann von 1978 bis 1982 noch vier Jahre 2. Bundesliga in Fürth wo er schnell zum Publikumsliebling wurde.
 
Nach etlichen gesundheitlichen Problemen lebt er jetzt wieder zufrieden in seinem bekannten Schloß Sorg in Wendelstein.
 
Er hat mir freundlicherweise ein von ihm unterschriebenes DFB-Trikot für den guten Zweck mitgegeben und auch mein Deniz Aytekin-Benefiztrikot unterschrieben.

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