BFV: "Futsal ist die Zukunft"

Foto: Sabine Schmalz   Spannende Szenen aus dem Spiel TSV Falkenheim I. gegen SGV1883 II. - Technik und Taktik ohne grosses Verletzungsrisiko! Das zeichnet die Sportart Futsal aus.

Sind Futsal-Ligen ein positiver Trend, anstatt (langer) Turniere?

Sie kommt so sicher wie Heiligabend: Die Diskussion um den Hallenfußball. Seit der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seine offiziellen Titelkämpfe nach den vom Weltfußballverband FIFA vorgegebenen Futsal-Regeln austrägt, wird immer wieder gezetert, dabei aber vielerorts allenfalls an der Oberfläche gekratzt und gerne pauschal der Futsal für etwaige Rückgänge bei Teilnehmerzahlen an Hallenturnieren hergenommen.

"Turniere besitzen heute kaum Zugkraft mehr"

"Fakt ist", sagt Michael Tittmann, im Verbands-Spielausschuss für den Futsal im Freistaat zuständig: "dass wir es ausdrücklich nach wie vor gestatten, private Turniere nach altbekannten Regeln, also mit Rundumbande und herkömmlichen Ball auszutragen. Da stellen wir natürlich auch die Schiedsrichter. Wer genau hinsieht, stellt aber ganz schnell fest, dass auch diese Turniere nicht mehr solch eine Zugkraft besitzen wie noch vor zehn Jahren."

Der gesellschaftliche Wandel, ein verändertes Freizeitverhalten sowie die stetig wachsende und im Berufsleben unabdingbare Mobilität tragen hierzu maßgeblich bei. "Nicht der Futsal ist das Problem, die Gegebenheiten sind schlicht andere geworden, die Konkurrenz deutlich größer", unterstreicht Tittmann, der weiß, dass der BFV mit der Futsal-Einführung nur konsequent und mit Weitblick gehandelt hat: "Das Gezeter ist ein deutsches Phänomen. Wir müssen nur nach Spanien oder Portugal schauen, dort ist Futsal etabliert und wissenschaftliche Studien belegen klar, dass der Nachwuchs ganz andere Fähigkeiten entwickelt, wenn er von Kindesbeinen an Futsal spielt.

Foto: Jürgen Eder

In Südamerika ist das ein ganz elementarer Baustein der Talentförderung." Futsal ist Technik, weniger Körperlichkeit ist gefragt, dafür Disziplin, Ballbehandlung, Spielwitz und -verständnis. "Ich bin mir sicher, dass das eine Generationenfrage ist, bis wir diese Diskussionen nicht mehr führen müssen. Am Ende muss jeder erkennen, dass die Verletzungsgefahr deutlich minimiert wird und die technischen Fähigkeiten merklich gestärkt und verbessert werden. Hinzu kommt die Komponente Kondition. Viele Erwachsene von morgen werden sich später einmal fragen, was herkömmlicher Hallenfußball überhaupt ist."
klicken zum Vergrößern

Futsal entwickelt sich auch in Bayern stetig weiter, der Ligen-Spielbetrieb hat sich etabliert, im vierten Jahr in Folge wachsen die Zahlen der Teams, die an den BFV-Runden teilnehmen. In diesem Winter sind 183 bayerische Teams mit fast 2000 Aktiven mit dabei. Was 2013/14 mit einer Pilotrunde in Mittelfranken gestartet ist, hat sich rasch in ganz Bayern zu einer Erfolgsgeschichte mit ausgeprägten Ligenstrukturen entwickelt. Das Spiel ohne Bande ist beispielsweise in Oberbayern genauso beliebt wie in der Oberpfalz. Auch auf dem deutschlandweiten Parkett haben bayerische Teams bereits dicke Ausrufezeichen gesetzt: 2011 wurde BaKi Nürnberg deutscher Vizemeister, 2017 holte der SSV Jahn 1889 Regensburg den deutschen Meistertitel erstmals in den Freistaat.

"Die Nachwuchsabteilungen der größeren Vereine wissen um die Bedeutung von Futsal bei der Ausbildung ihrer Talente", sagt Michael Tittmann: "Seit dieser Saison ist etwa auch der FC Ingolstadt in den regulären Futsal-Spielbetrieb eingestiegen. Entscheidend sind die handelnden Personen in den Vereinen. Wir als BFV müssen da weiter am Ball bleiben und aufklären. Das ist unsere Aufgabe."

Auch hier stimmt die Richtung: Beide BFV-Trainer-Fortbildungen und -Seminare in der Sportschule Oberhaching waren ausgebucht, 60 Coaches haben sich intensiv mit Futsal und Training auseinandergesetzt. "Es geht darum, belegbare Vorteile von Futsal aufzuzeigen, Trainingsmethodik in der Praxis vorstellen - wer das mitgemacht hat, braucht nicht überzeugt werden", so die Erkenntnis von Tittmann aus den Rückmeldungen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nicht nur die Nationalmannschaft, sondern wird alsbald auch die Futsal-Bundesliga einführen und damit dem Trend Rechnung tragen: "Für die Zukunft unserer Sportart und die Ausbildung unseres Nachwuchses ist Futsal von immenser Bedeutung"

Foto: BFV  Michael Tittmann und Kornelia Bayer sehen Futsal in Bayern weiter auf dem Vormarsch.

Beispiele, wie Futsal funktionieren kann, gibt es reichlich im Freistaat. Im Bezirk Mittelfranken ist jetzt erst wieder ein Pilotprojekt für Frauen und Juniorinnen erfolgreich gestartet: Aus dem Stand heraus haben 30 Teams für vier Ligen (Frauen, U17, U15, U13) gemeldet, der Spielbetrieb ist bereits in vollem Gange. "Eine tolle Geschichte", sagt Kornelia Bayer, Vorsitzende des Bezirks-Frauen- und Mädchenausschusses in Mittelfranken: "Wir hatten einen Informationsabend und das Interesse war gewaltig. Und schon jetzt gibt es Anfragen für die nächste Saison. Wir sind auf einem sehr guten Weg."

Foto: Günther Perzl        HBZM SV Weinberg - SV Leerstetten

Bayer hat sich gekümmert - das war der Grundstein für den Erfolg. Die BFMA-Vorsitzende hat sich sehr frühzeitig bei der Stadt Nürnberg zu Wort gemeldet und bei der Vergabe der Hallenzeiten eingeschaltet. "Fehlende Zeiten sind oftmals ein Hinderungsgrund", weiß auch Tittmann: "In Nürnberg ist das perfekt gelaufen, der BFV hat sich frühzeitig zu Wort gemeldet und so die Grundlage für den Ligen-Spielbetrieb geschaffen." Mit Stolz berichtet Bayer in ihrer Zwischenbilanz von zwölf gespielten Matches mit satten 115 Toren: "Wer sagt, Futsal sei nicht so attraktiv, den lade ich gerne zum nächsten Spieltag ein", sagt Bayer: "Die Rückmeldungen sind absolut positiv, alle sind begeistert. Übrigens auch die, die sportlich aktuell auch nicht ganz vorne dabei sind. Der Lerneffekt ist enorm."

Und wenn es nach Kornelia Bayer geht, ist das erst der Anfang. Es gibt weitgediehene Überlegungen: beispielsweise den Futsal-Meister bei den Frauen mit einem garantierten Startplatz bei den bayerischen Meisterschaften zu belohnen. Bei den Juniorinnen sollen die Meister ihr Startrecht bei der mittelfränkischen Meisterschaft im Folgejahr sicher haben.

Die offiziellen BFV-Futsal-Ligen, bei denen entgegen der Turniere tatsächlich die offiziellen und herausfordernden Netto-Zeiten gespielt werden, ermöglichen neben den bayerischen Hallenmeisterschaften einen regelmäßigen Wettkampf in überschaubarer Zeit. "Und das ist zeitgemäß", sagt Tittmann, der weiß, "dass das kein Rezept für alle und jeden ist. Aber wir beim BFV sind flexibel, gehen auf Terminwünsche ein und kümmern uns - wie Konny jetzt in Nürnberg - auch um Hallenzeiten."

Garantiert auch im nächsten Jahr - so sicher eben, wie am 24. Dezember Heiligabend ist,

Share

TPL_BEEZ5_ADDITIONAL_INFORMATION