Von Moorteufeln und Wilden Wölfen

Mädchenfußball auf dem VormarschJugendeckeEin Blick auf den Mädchenfußball der Region, Teil I

Keine Frage die Zeiten, als der Frauenfußball gänzlich im Abseits stand und der weibliche Fußball-Nachwuchs sich verächtliche Blicke gefallen lassen musste, gehören im Wesentlichen der Vergangenheit an. Dennoch haben es die Fußball-Mädels nach wie vor nicht einfach, sich in einer Männerdomäne zu behaupten und kämpfen gemeinsam mit ihren Jugendleitern, Trainern, Betreuern und Förderern leidenschaftlich um ihre sportliche Zukunft. fussballn.de hat sich unmittelbar vor dem mit viel Hoffnung und Spannung erwarteten WM-Jahr 2011 einen Überblick über den Mädchen-Fußball in der Region verschafft.

Ein Blick auf den Mädchenfußball der Region, Teil I

Keine Frage die Zeiten, als der Frauenfußball gänzlich im Abseits stand und der weibliche Fußball-Nachwuchs sich verächtliche Blicke gefallen lassen musste, gehören im Wesentlichen der Vergangenheit an. Dennoch haben es die Fußball-Mädels nach wie vor nicht einfach, sich in einer Männerdomäne zu behaupten und kämpfen gemeinsam mit ihren Jugendleitern, Trainern, Betreuern und Förderern leidenschaftlich um ihre sportliche Zukunft. fussballn.de hat sich unmittelbar vor dem mit viel Hoffnung und Spannung erwarteten WM-Jahr 2011 einen Überblick über den Mädchen-Fußball in der Region verschafft.

Groß war die Freude im Sommer in Zirndorf über den Aufstieg in die Bezirksoberliga und groß war die Aufmerksamkeit, die dem Aufstieg der ASV-Herren zuteil wurde. Dass in der Bibertstadt ein weiteres Team den Sprung in die höchste Spielklasse Mittelfrankens packte und zugleich Pokalsieger wurde, ging dabei fast schon ein wenig unter. Dabei hat sich der TSV 61 Zirndorf im Laufe der Jahre einen klangvollen Namen gemacht und ist eine der besten Adressen im Bezirk - im Mädchenfußball! Vor rund zehn Jahren war es Günter Neff, der mit viel Engagement die ersten Gehversuche der "61er" mit weiblichen Kickern startete und sich noch heute um die Geschicke an der Banderbacher Straße kümmert. Seit fünf Jahren wurde auch Peter Knott vom Mädchenfußball vereinnahmt. Jahrelang war Knott im Juniorenbereich der DJK Oberasbach tätig. Sohn Daniel spielt inzwischen beim FC Stein in der Bezirksliga und auch die eigene Tochter jagt in der fußballbegeisterten Familie von klein auf dem runden Leder hinterher, zunächst bei den Jungs, doch im D-Jugend-Alter wechselte sie nach Zirndorf und der fußballbegeisterte Papa wurde Coach der U13-Juniorinnen.

TSV 61 Zirndorf U17

Stolz präsentierten sich die erfolgreichen U17-Juniorinnen des TSV 61 Zirndorf nach dem Pokaltriumph und Aufstieg in die BOL.
Foto: TSV

Bereut hat Knott sein Engagement seitdem nicht - im Gegenteil. "Die Arbeit mit den Mädels macht mir richtig Spaß, und es ist mir auch wichtig, neben den sportlichen Aspekten, den jungen Leuten auch menschliche Werte zu vermitteln", berichtet Club-Fan Knott, der seiner Truppe von der U13 bis zur U17 als Coach treu geblieben ist. Im Wesentlichen ist der Stamm der Mannschaft über die Jahre zusammengeblieben, aber die Erfolge haben sich im Kreis der Juniorinnen herumgesprochen. "Wir bekommen schon einige Anfragen von Spielerinnen, die sich in der BOL beweisen wollen", so U17-Coach Knott. Doch anders als bei den Jungs beäugen die Mädels Trainer und Mannschaft schon genauer, bevor sie sich dann tatsächlich auf einen Wechsel einlassen. Neben der auch nach dem Aufstieg überaus erfolgreichen U17 gibt es beim TSV Zirndorf eine U15 und eine U13, die auf Kleinfeld spielt. Und obwohl die Juniorinnen des TSV eigentlich immer sportlich erfolgreich waren, sind die 61er immer noch händeringend auf der Suche nach Sponsoren: "Wir finanzieren uns selbst, leicht ist das aber bei den weiten Fahrten nicht gerade und obwohl wir bei den Spielen um den Aufstieg schon bis zu 200 Zuschauer hatten, ist es uns noch nicht gelungen, entsprechende Hilfe zu erfahren."

Moorteufel Ochenbruck

Seit der Gründung im Jahr 2007 haben sich die Moorteufel Ochenbruck stetig weiterentwickelt und beachtliche Erfolge eingefahren.
Foto: privat

Probleme mit Sponsoren gibt es beim TSV Ochenbruck dagegen nicht. "Wir haben das Glück, das viele Töchter von Unternehmern bei uns kicken und die Kassen deshalb nie leer sind", erklärt Michael Heinikel, der Jugendleiter der Moorteufel. Moorteufel? Was die großen Klubs mit Imagenamen z.B. im Eishockey seit Jahren erfolgreich praktizieren, hat sich Werbefachmann Heinikel auch für seine Mädchenteams zunutze gemacht. "Wir trainieren am Moorweg im Naturschutzgebiet in Schwarzenbruck, da war die Namenswahl der Gründungsmitglieder irgendwo naheliegend", erklärt der "Moorteufel-Chef". Die gelungene Vermarktung (mit eigenem Logo und Fanartikeln) sei auch ein Grund gewesen, warum die Juniorinnen aus Ochenbruck - dem Selbstverständnis nach natürlich Moorteufel (!) - in nur drei Jahren ordentlich gewachsen sind und so manchen Erfolg wie Kreismeisterschaften in der Halle und am Feld einfahren konnten. Begonnen hatte der Mädchenfußball in Ochenbruck im Jahr 2007. Tochter Sara Heinikel trainierte im Feriencamp bei den F-Junioren mit, schnell hatten sich eine handvoll junger Mädchen zusammengefunden, die auf dem Weg eine eigene Mannschaft zu gründen noch einen Trainer brauchten. Zwar hatte Michael Heinikel seine Fußball-Laufbahn bei der DJK Bayern längst beendet und auch war er nicht mehr als Ringer beim SV Johannis aktiv, doch die Verbindung zum Sport und der zartsanfte Druck von Tochter und Frau dauerte nicht lange und schon war er in der Rolle des Mädchen-Fußballtrainers geschlüpft, verbunden mit dem Unternehmer-Credo "Wenn ich was mache, dann aber richtig!" Gesagt, getan - Heinikel machte beim BFV seinen Trainerschein und konnte im Laufe der Zeit immer mehr Trainer und Mädels für seine Moorteufel-Teams dazu gewinnen. "Ich bereue es absolut nicht, es macht richtig viel Spaß und ist schön zu sehen, wie sich das Ganze inzwischen entwickelt hat", kann der Koordinator für die Juniorinnen stolz von den erfolgreichen U11- und U13-Mannschaften berichten, zudem trägt die U9 regelmäßig Freundschaftsspiele aus (bei den Kleinsten gibt es noch zu wenige Vereine mit U9-Mädchen-Teams) und nimmt an der Hallenkreismeisterschaft teil, auch die Gründung einer U15 wurde in Ochenbruck inzwischen vorangetrieben.

Moorteufel-Nachwuchs am BallMit großer Begeisterung und Stolz sind die Mädels aus Ochenbruck und Umgebung bei den Moorteufeln am Ball.
Foto: privat

Dass die fußballbegeisterten Mädchen auch weiterhin zu den Moorteufeln kommen, dafür legen sich die Verantwortlichen kräftig ins Zeug. Jedes Team ist mit zwei Trainern besetzt, zudem wurde in Zusammenarbeit mit der Grundschule Schwarzenbruck ein Schnuppertraining in allen Jahrgangsstufen ausschließlich für Mädchen angeboten. Stolz präsentierten sich die Teilnehmerinnen mit ihren "Moorteufel-Urkunden" und so manche Schülerin löste bereitwillig ihren Trainingsgutschein bei den Moorteufeln ein. Der nagelneue Kunstrasenplatz, der am Wochenende eingeweiht werden soll, dürfte ein weiteres Argument für die Nachwuchsspielerinnen sein, ein "Moorteufel" zu bleiben oder noch zu werden.

Doch dass man bei all dem Fortschritt auch auf andere Vereine angewiesen ist, weiß man in Ochenbruck nur zu genau. "Das Potential im Mädchenfußball ist generell da, doch wir brauchen mehr Vereine, die in diese Richtung überhaupt arbeiten wollen, sonst ist es schwierig, einen vernünftigen Spielbetrieb zu organisieren", hofft Heinikel darauf, dass insbesondere die Nürnberger Vereine "Gas geben".

Ein Verein, der den Aufbau von Mädchen-Mannschaften aktuell anstrebt, ist die SG Nürnberg 83. Der sportliche Leiter und Juniorenleiter Thomas Streng konnte in kürzester Zeit zumindest schon eine Damenmannschaft aufbauen und hat auch für Trainer und Betreuer der geplanten Mädchenmannschaften gesorgt. Damit nun auch genügend Spielerinnen den Weg in die Regelsbacher Straße finden, hat man Flyer verteilen lassen. "Einfach ist es nicht gerade, wenn man im Mädchen-Bereich neu anfangen will, denn es gibt inzwischen schon einige Vereine, bei denen es richtig gut läuft. Diese sind dann natürlich erster Anlaufpunkt für junge Fußballerinnen", weiß "Bulle" Streng, sieht aber genügend Potential, um den Einstieg für seinen Verein zu schaffen und später den Vorteil, bei all der Konkurrenz oder besser: Koexistenz mit den Nachbarklubs, weite Fahrten zu den Spielen vermeiden zu können.

"Überall tut und macht man, Flyer werden gedruckt und verteilt, Mädchen im Kindergarten angesprochen", so Thomas Netsch von den SF Großgründlach, der die "Wilden Wölfe" U11 trainiert und betreut. In Großgründlach ist Mädchen-/Frauenfußball schon länger ein Thema. 1985 gastierte bereits eine Damenfußballmannschaft aus Chicago an der Würzburger Straße. Aktuell sind drei Mädchen-Mannschaften im Spielbetrieb: U 17, U 13 und U 11.

Im II. Teil unseres Streifzugs durch den Mädchen-Fußball der Region lesen Sie u.a. den ungewöhnlichen Weg wie ein Mädchen in Eigenregie eine komplette Mannschaft zusammen trommelte und dann den Verein um einen Trainer bat. Außerdem geben wir eine Übersicht über sämtliche im Raum Nürnberg/Fürth aktiven Mädchen-Mannschaften.

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